Wir nehmen Abschied von Gerhard Flöttl

  • Gerhard Flöttl © Jugend am Werk

Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von Gerhard Flöttl, der am Sonntag, dem 12. Juli 2026, im 65. Lebensjahr verstorben ist.

Sein Name ist untrennbar mit der Geschichte der Selbstvertretung in unserer Organisation verbunden und er hat nicht nur miterlebt, wie Mitbestimmung entstanden ist – er hat sie von Anfang an mitgestaltet.

Gerhard Flöttls Weg bei Jugend am Werk begann am 28. Juni 1977. Nach dem Abschluss der Sonderschule in der Kanitzgasse begann er in der damaligen Werkstätte in der Speckbachergasse. Später arbeitete er in der Grundsteingasse, wo er viele Jahre Industriearbeiten verrichtete. Rückblickend sagte er über diese Zeit: „Ich wollte nie weg von Jugend am Werk, weil es mir gefallen hat.“ Wenn es zu jener Zeit bereits Angebote der beruflichen Inklusion gegeben hätte, wären ihm sicherlich andere berufliche Erfahrungen offen gestanden, aber so blieb Gerhard Flöttls Verbundenheit mit Jugend am Werk ein Leben lang bestehen.

Rund um die Zukunftskonferenz im Jahr 2000 engagierte sich Gerhard Flöttl dann in einem Arbeitskreis zu den Themen Wünsche und Selbstbestimmung. Daraus entstand die Idee einer Wohntagung für Bewohner:innen sowie einer Interessensvertretung für Menschen in den Wohnangeboten. Aus der Initiative Wohntagung entwickelte sich schließlich der Wohnrat von Jugend am Werk. Gerhard Flöttl war von Beginn an dabei und wurde zu einem seiner prägenden Gesichter.

Über viele Jahre setzte er sich mit großem Engagement für die Anliegen der Bewohner:innen ein. Er hörte zu, vermittelte, brachte Beschwerden und Wünsche ein und kämpfte beharrlich für Verbesserungen – für mehr Selbstbestimmung, bessere Betreuungszeiten und gute Wohnbedingungen.

Als Peer-Berater besuchte er zahlreiche Standorte von Jugend am Werk. Er ermutigte Menschen mit Behinderungen, ihre Anliegen selbst zu äußern und ihre Rechte wahrzunehmen. Für ihn war Selbstvertretung selbstverständlich. Auf die Frage, was Selbstvertretung für ihn bedeutet, antwortete er schlicht: „Dass ich mich selbst vertreten kann. Und ich vertrete als Wohnrat die Bewohner:innen in den Wohnangeboten von Jugend am Werk.“

Auch über Jugend am Werk hinaus war Gerhard in der österreichischen Selbstvertretungsbewegung aktiv. Er arbeitete mit anderen Trägerorganisationen zusammen, engagierte sich in Interessenvertretungen und brachte seine Erfahrungen und seine Stimme in zahlreichen Gremien ein. Er war weit über unsere Organisation hinaus bekannt, geschätzt und vernetzt.

Im vergangenen Jahr durften wir Gerhard im Rahmen unseres 80-jährigen Jubiläums noch einmal ausführlich interviewen. Dabei sagte er unter anderem:

Auch aus persönlichen Gründen ist mir derzeit das Thema Alter und Behinderung sehr wichtig und hier werde ich mich auch in Zukunft verstärkt einsetzen, damit nicht darauf vergessen wird, dass auch ältere Menschen mit Behinderungen Bedürfnisse haben und Möglichkeiten benötigen, passende Angebote auszuwählen.
 

Ich habe viele schöne Jahre bei Jugend am Werk erlebt und wünsche der Organisation alles Gute.“

Diese Worte spiegeln seine Haltung wider: Gerhard war ein Mensch, der mit Überzeugung, Beharrlichkeit und großem Herzen für andere da war. Sein Engagement hat Generationen von Bewohner:innen und Selbstvertreter:innen den Weg bereitet. Dafür sind wir ihm zutiefst dankbar.

Das Begräbnis von Gerhard Flöttl findet am 28. Juli 2026 um 14:00 Uhr am Friedhof Mauer (Friedensstraße 6-16, 1230 Wien) statt.


Eine gemeinsame Abschiedsfeier von Jugend am Werk findet am 30. Juli 2026 um 9:00 Uhr im Speisesaal der Tagesstruktur Grundsteingasse statt.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Wir werden Gerhard Flöttl in dankbarer Erinnerung behalten.


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